Verbindet die Extreme, so habt ihr die wahre Mitte.

Friedrich von Schlegel

 


WER IST RADIKAL ?

... wenn ich nur einen der 2 äußeren Pole vertrete - richtig oder falsch, gut oder schlecht
... wenn ich nur ein entweder - oder statt einem sowohl - als auch kenne
... wenn ich keine Zwischentöne wahrnehme und den/das Andere/n, sowie keine Mitte gelten lasse

Das ist innerhalb der Prinzipien der Menschenrechte und innerhalb unserer Demokratie ansich auch problemlos, solange unser Denken und Handeln nicht in Hass umschlagen.

RADIKALISIERUNGSPROZESSE

Im Vorfeld hoch expressiver Gewalttaten sind Radikalisierungsprozesse von zentraler Bedeutung.
Damit sind hier Prozesse gemeint, in denen die Einstellungen, Wahrnehmungen, Emotionen und Handlungen sich immer stärker polarisieren, vom Konsens abweichen und zur Gewalt streben.
Es sind Prozesse der Hinwendung und Distanzierung, in deren Zentrum u. E. ein Wandel der Identität stattfindet.

Radikalisierungsprozesse können als Abfolge von Ereignis-, Verarbeitungs- und Handlungssequenzen verstanden werden, in deren Zuge sich eine Person extreme soziale und politische Ideen aneignet, die immer stärker zu einem Teil des Selbstkonzeptes werden.

Zwar können sich Radikalisierungsprozesse von Täter zu Täter höchst unterschiedlich vollziehen, sie keimen in der Regel aber immer in der sozialen Identifikation mit einer realen oder imaginierten Bezugsgruppe, sowie damit verbundenen Differenzierungen und Abgrenzungsbekundungen.
(vgl. für School Shootings: Böckler & Seeger 2010; für terroristische Radikalisierung: Borum 2011).

Im Zuge der Auseinandersetzung mit radikalen Kontexten verschieben die Gewalttäter/- innen ihre Selbstkonzeptualisierung mehr und mehr von der personalen zu einer kollektiven Identität, in deren Namen sie handeln und die zunehmend ihr Selbstkonzept und damit ihren Selbstwert bestimmt. [...]

(Zitiert aus: Radikalisierungsmechanismen im Zuge von extremistischen Mehrfachtötungen und Attentaten an Schulen in Deutschland von: Andreas Zick, Nils Böckler, Viktoria Roth & Lina Stetten, in:forum kriminalprävention 2/2016)

WANN SPRECHEN WIR VON EXTREMISMUS ?

Im Zuge des Radikalisierungsprozesses werden im Namen der jeweiligen Ideologie Gewalttaten legitimiert!

IDEOLOGIEN

Dabei ist es unwesentlich ob die Ideologie religiös, nationalistisch oder politisch motiviert oder einer Lebensphilosophie einer Ernährungs- oder Lebensform zuzuordnen ist.

Bezeichnet werden diese -ismen mit:

Salafismus, Nationalismus, Rechts-/Linksextremismus, Veganismus, radik. Tierschützer, uvm.
Als extremistisch werden aber auch Shool-Shootings bezeichnet, wenngleich die Ideologie weniger im Blickpunkt steht.

Je nach Zugehörigkeit einer Ideologie ändert sich die zugehörige Altersgruppe, die Symbolik, die Begrifflichkeiten in der Sprache, die Rekrutierungsweise, die Symbolik und Art der Gewaltausübung.
Die Gewalt steht erst am Ende eines Radikalisierungsprozesses und ist gleichsam oft der letzte Ausweg einer Person (oder einer Gruppe), die damit zum Täter / zur Täterin wird (werden) und sich durch die Tat die Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gruppierung sichert.

GEFÄHRDUNG & PRÄVENTION

FRÜH - ERKENNUNG von RADIKALISIERUNG umfasst:

- Bewerten von Entwicklungswegen und Erkennen psychischer Einschränkungen

- Beobachtungen des sozialen Umfeldes bei sonderbaren Veränderungen Einzelner oder Gruppen

- Wissen über Ideologien und deren Symbolik

Sekundäre PRÄVENTION:

- Sensibilisierung von Lehrer*innen, Pädagog*innen, Jugendarbeiter*nnen und Sozialarbeiter*nnen, sowie Mitarbeiter*innen von Behörden.

- Rechtzeitiges Erkennen um Gefährder*innen ansprechen zu können

- Aufklärung und Wissen über und Erkennen von Radikalisierungsprozesse(n)

- Ernstnehmen und Abklärungen von Hinweisen

- Aufbau und Zusammenarbeit eines Netzwerkes im Sinne eines Bedrohungsmanagements

- Gutes Fallmanagement, Steuerung und Monitoring

Primäre PRÄVENTION:

- Soziales Lernen, Ein- statt Ausgrenzen, Sensibilisierung der Verwendung von Sprache, Politische Bildung, Wissen um demokratische Grundwerte und Menschenrechte

- Eigenständiges Denken, Zivilcourage, Mut gegen jede Form der Angst, Bildung und Chancen, sowie Persönlichkeitsbildung